
„Als Kind war ich Linkshänder. Meine Mutter, die es damals nicht besser wusste, trainierte mich, diese Gewohnheit abzulegen und aus mir einen Rechtshänder zu machen. Bis heute glaube ich, dass das der Grund ist, warum ich die Dinge stets aus mehreren Perspektiven betrachte."
Michael Keller

Wenn wir klein sind, sind wir „ganz“. Wir haben diese natürliche Fähigkeit, intuitiv zu denken, zu fühlen und wahrzunehmen. Mit beiden Seiten, dem rechten und linken Teil unseres Gehirns. Wir verbinden Worte mit Bildern, Zahlen mit Farben, Orte mit Erinnerungen. Doch sobald wir die Schule betreten, wird diese Einheit aufgebrochen. Denn nicht nur die Bildung, sondern unsere gesamte Gesellschaft, Politik, Wissenschaft und Wirtschaft wird stark von dem rationalen und analytischen Paradigma geprägt, dem die linke Gehirnhälfte gewidmet ist. Wenn wir erwachsen sind, haben viele von uns vergessen, wie wir die Welt als Kind gesehen haben.
In der Installation „Two views on a creative mind“ in der „Schaustelle“ der Pinakothek der Moderne teilte Michael Keller seine Erfahrungen mit allen und ermöglichte es den Besuchern, ihre Sicht auf die Welt zu verändern. Sie konnten wählen, durch welche Tür sie die Installation betreten wollten – die linke oder die rechte? Mit schwarzen Brillen konnten sie je nach ihrer Wahl zwei völlig unterschiedliche Perspektiven erleben.



Doch die eigentliche Erkenntnis lag nicht darin, was sich hinter den Türen verbarg. Es war die Entscheidung, die man angesichts der zwei Türen traf. Wie so oft bei Keller und seiner Arbeit ließ sich dieser zutiefst symbolische Akt auf jede persönliche Weggabelung im eigenen Leben übertragen. Öffnen Sie einfach Ihre Augen, um die Welt neu zu sehen.